Bertelsmann Stiftung
KOMPIK: Kompetenzen und Interessen von Kindern

Gesunde Entwicklung in der Kindheit

Körperliche Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kinder sich auf Entwicklungsaufgaben und Lernprozesse einlassen können und eine gute Chance haben, diese auch erfolgreich zu bewältigen. Sie ist zudem ein entscheidender Bestandteil von Lebensqualität. In diesem Sinn kann Gesundheit nicht einfach als etwas gesehen werden, was „vorhanden“ oder „nicht vorhanden“ ist. Es handelt sich vielmehr um einen kontinuierlichen Prozess, der durch entsprechende Verhaltensweisen wie gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Entspannung wesentlich beeinflusst und aktiv mitgestaltet werden kann. Daher wird Gesundheitserziehung in den Bildungsplänen für den Elementarbereich auch explizit als Bildungsaufgabe verstanden (vgl. z.B. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Staatsinstitut für Frühpädagogik 2006, 372 ff.). 

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die ersten Lernerfahrungen in diesem Bereich machen Kinder in ihrer familiären Umgebung: Maßgeblich ist zum einen das Vorbild der Eltern, also das Gesundheitsverhalten, das sie ihren Kindern konkret vorleben. Aber auch die bewusste gezielte Vermittlung gesundheitsbezogener Einstellungen und Verhaltensweisen spielt eine Rolle (Seiffge-Krenke 2002). Beide Aspekte haben mit der Lebenslage und dem sozialen Status von Familien zu tun: Sozial benachteiligte Kinder haben einen schlechteren Gesundheitszustand und ein weniger aktives Gesundheitsverhalten als Kinder aus einem sozioökonomisch gut gestellten Umfeld (vgl. z.B. Robert Koch-Institut, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2008; von Rueden et al. 2006).

Günstige wie auch ungünstige Gesundheitsverhaltensweisen erweisen sich schon bei Kindern als längerfristig stabil (Kaluza & Lohaus, 2006). Ein häufiges Folgeproblem von ungünstiger Ernährung und von Bewegungsmangel ist Übergewicht. Dieses geht einher mit körperlichen Beeinträchtigungen und teils auch mit erheblichen psychischen Belastungen (Lehrke et al. 2005). Haben sich ungünstige Verhaltensweisen bei Kindern einmal verfestigt, ist es in der Regel höchst mühsam und langwierig, sie wieder zum Positiven zu verändern. Veränderung erfordert dann aktive, gezielte und längerfristige Anstrengungen, wie sie modellhaft etwa im sozial-kognitiven Prozessmodell des Gesundheitsverhaltens (Health Action Process Approach HAPA) von Schwarzer (1992) beschrieben werden (vgl. auch Prochaska & Velicer 1997). 

Gesundheit in der Kita

Frühe Gesundheitsförderung ist also äußerst wichtig. Kinder sollen in die Lage versetzt werden, ihre Gesundheit zu kontrollieren und sie zu verbessern (WHO 1986). Sie sollen schon früh Kenntnisse und Kompetenzen erwerben, die es ihnen erlauben, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen und selbstständig zu ihrem Erhalt beizutragen. In Kindertagesstätten bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung. Idealerweise knüpfen gesundheitsbezogene Maßnahmen von Einrichtungen an eine gesundheitsförderliche Erziehung in der Familie an und ergänzen diese (Lipp-Peetz et al. 1996; Zimmer 2002). Beispiele für gesundheitsförderliche Maßnahmen im Kita-Alltag sind Wahrnehmungsübungen zur Entwicklung eines positiven Körpergefühls, Entspannungsübungen, Bewegungsspiele, gemeinsames Kochen sowie die Vermittlung von Wissen über Gesundheit und eine gesunde Lebensweise. Werden die Eltern und pädagogischen Fachkräfte (neben den Kindern) zusätzlich einbezogen, unterstütz das die Gesundheitsfördernden Konzepte. Positive Lerneffekte bei den Kindern haben dadurch auch länger Bestand (Kliche et al. 2006). 

Aktuelle Programme stellen besonders die Bereiche Bewegung, Ernährung und Entspannung in den Mittelpunkt (Plattform Ernährung und Bewegung e. V. 2007). Wichtig sind zudem das Hygieneverhalten (z.B. Hände waschen), um Infektionen vorzubeugen, das Einhalten von Sicherheitsregeln zur Unfallvorbeugung und (im Sommer) Sonnenschutzmaßnahmen. 

Gesundheit bei KOMPIK

Für KOMPIK wurden Fragen zur Ernährung und zu weiteren gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen und Interessen ausgewählt. Der Aspekt Bewegung wird im Entwicklungsbereich „Motorische Kompetenzen“ berücksichtigt, der Aspekt Stressregulation im Bereich „Emotionale Kompetenzen“. Im Bereich „Gesundheitsbezogene Kompetenzen und Interessen“ werden zwei Teilbereiche unterschieden:

  • Gesundheitswissen und -verhalten: Im Teilbereich Gesundheitswissen und -verhalten geht es um ausgewählte gesundheitsbezogene Kenntnisse und Interessen der Kinder, u.a. in Bezug auf Ernährung und Sicherheit.
  • Selbstständige Hygiene: Im Teilbereich Selbstständige Hygiene wird z.B. gefragt, ob ein Kind rechtzeitig und selbstständig auf die Toilette geht.
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Ansprechpartner

Literatur

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Staatsinstitut für Frühpädagogik (Hrsg.) (2006). Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan. Weinheim: Beltz.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung & Verbraucherzentrale Bundesverband (Hrsg.) (2004). Gesunde Ernährung im Kindergarten. Aktionsbuch für Vorschule und Kindergarten. Berlkastel-Kues.

Kaluza, G. & Lohaus, A. (2006). Psychologische Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter. Eine Sammlung empirisch evaluierter Interventionsprogramme. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 14(3), 119-134.

Kliche, T., Gesell, S., Nyenhuis, N., Töppich, J., & Koch, U. (2006). Prävention und Gesundheitsförderung in Kitas: Stand und Handlungsansätze. In: Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (Hrsg.). Auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden Kita! Gesundheit von Erzieherinnen und Erziehern fördern – Zusammenarbeit mit Eltern stärken. Dokumentation der Fachtagung am 27. September 2006 im Bürgerhaus Wilhelmsburg.

Lehrke, S., Koch, N., Hubel, R., & Laessle, R. G. (2005). Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei übergewichtigen Kindern. Eine Vergleichsstudie mit Gruppen normalgewichtiger gesunder und chronisch kranker Kinder. In: Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 13, 111-117.

Lipp-Peetz, C., Hinze, K., & Krahl, K.-P. (1996). Die Kindertageseinrichtung als Ort der Förderung von Gesundheit I. Frankfurt am Main: Eigenverlag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge.

Plattform Ernährung und Bewegung e. V. (2007). gesunde kitas – starke kinder. Ganzheitliche Gesundheits- und Bildungsförderung in KiTas. Einführung und Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte. Berlin: Plattform Ernährung und Bewegung e. V.

Prochaska, J. O., & Velicer, W. F. (1997). The transtheoretical model of health behavior change. In: American Journal of Health Promotion, 12, 38-48.

Robert Koch-Institut und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2008). Erkennen – Bewerten – Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Berlin: Robert Koch-Institut.

Rueden, U. von, Gosch, A., Rajmil, L., Bisegger, C., & Ravens-Sieberer, U. (2006). Socioeconomic determinants of health related quality of life in childhood and adolescence: results from a European study. In: Journal of Epidemiology Community Health, 60, 130-135.

Schwarzer, R. (1992). Self-efficacy in the adoption and maintenance of health behaviors: Theoretical approaches and a new model. In: R. Schwarzer (Hrsg.). Selfefficacy: Thought control of action. Washington, DC: Hemisphere. 217-243.

Seiffge-Krenke, I. (2002). Gesundheit als aktiver Gestaltungsprozess im

menschlichen Lebenslauf. In: R. Oerter & L. Montada (Hrsg.). Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz. 833-846.

WHO – Weltgesundheitsorganisation (1986). Ottawa Charta for Health Promotion.

WHO – Weltgesundheitsorganisation (2006). Verfassung der Weltgesundheitsorganisation.

Zimmer, R. (2002). Der Kindergarten als Setting der Gesundheitsförderung. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.). „Früh übt sich…“.  Gesundheitsförderung im Kindergarten. Impulse, Aspekte und Praxismodelle. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 16. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 46-55.

 
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