Bertelsmann Stiftung
KOMPIK: Kompetenzen und Interessen von Kindern

Musik in der Kita

Kindertageseinrichtungen spielen eine wichtige Rolle bei der Ausbildung von musikalischen Interessen und der Förderung musikalischer Kompetenzen – dies spiegelt sich auch in den verschiedenen Bildungspläne für den Elementarbereich wider (vgl. z.B. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2006, 84). Tatsächlich ist musikalische Früherziehung ein klassisches Aufgabenfeld von Kitas und es gibt dort vielfältige Möglichkeiten für Kinder, Musik zu erleben und aktiv auszuüben. Musikalische Aktivitäten können fest in den pädagogischen Tagesablauf eingebettet sein (z.B. im täglichen Morgenkreis), anlassbezogen durchgeführt (z.B. bei einem Geburtstagslied) oder gezielt im Rahmen von Projekten angeregt und gefördert werden. Dabei steht meistens weniger der Erwerb bestimmter Kompetenzen im Vordergrund, sondern das Interesse und die Freude der Kinder an musikalischen Aktivitäten (Bastian 2001; Beck-Neckermann 2002; Hirler 2005).

Wissenschaftlicher Hintergrund 

Musik gehört zu den ersten sozialen Erfahrungen von Kindern. Bereits vor der Geburt sind sie empfindsam für Musik, Geräusche und Rhythmen (Olds, 1986) und auch später sind Lieder und Melodien, etwa als Wiege- und Schlaflieder, allgegenwärtig im Leben von Kindern (Perry 1995, 207). Säuglinge differenzieren zwar noch nicht zwischen Sprechen und Singen, können aber durchaus Unterschiede in Tonführung und Satzmelodie wahrnehmen. Mit etwa zwei Jahren unterscheiden sie gesprochene Sprache von Gesang und beginnen spontan selbst zu singen (bevorzugt in stark rhythmischen Sprechgesängen). In den folgenden Jahren nähern sich beim Singen die Konturen zunehmend den Melodien an und mit etwa sechs Jahren können Kinder Tonarten erkennen und halten (Merkel 2005, 108).

Dies sind jedoch nur grobe Durchschnittswerte und es gibt große Unterschiede, wie bzw. ab wann Kinder Tonarten und Melodien erkennen und wiedergeben können – abhängig von Begabung und frühen Anregungen.

Unabhängig von solchen Kompetenzen reagieren Kinder von Anfang an mit Neugier und Interesse auf Stimmen, Geräusche und Klänge. Fasziniert lauschen sie den Tönen in ihrer Umwelt, versuchen diese zu erkunden und nachzuahmen. Früh entdecken Kinder, dass Objekte einen typischen Klang haben, der ihnen entlockt werden kann, und dass dieser Klang, ebenso wie das Aussehen, zu den Eigenschaften eines Gegenstandes gehört. Wenn Kinder Musik hören, reagieren sie meist freudig und beginnen spontan zu tanzen und sich rhythmisch zu bewegen (vgl. z.B. Gruhn 2003; Hermann-Strenge 2004).

Musikalische Früherziehung

Musikalische Früherziehung wird immer auch mit Blick auf die Förderung anderer Kompetenzen gesehen. Tatsächlich gibt es zahlreiche empirische Belege dafür, dass sich die Entwicklung musikalischer Kompetenzen positiv auf emotionale und soziale Fähigkeiten auswirkt (vgl. z.B. Perry 1995, 231 ff.). Es existieren vielfältige Querverbindungen zu anderen Bildungs- und Entwicklungsbereichen: Beim Tanzen zur Musik werden Koordinationsvermögen und Körpermotorik geschult, beim gemeinsamen Singen ist Kooperation und Einfühlungsvermögen gefragt, und bei Abzählreimen und Klatschspielen werden musikalische wie auch sprachliche Fähigkeiten gefördert (vgl. z.B. Hirler 2003; Kreusch-Jacob 2002).

Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen, Musikalität (bzw. musikalisches Talent und musikalische Begabung) zu definieren und zu untergliedern (vgl. Gembris 2009; Perry 1995). Die meisten Aufschlüsselungen umfassen neben musikalischen Vorlieben bzw. Einstellungen und Hörfähigkeiten auch die Fähigkeit, die eigene Stimme oder ein Instrument technisch zu beherrschen. Verschiedene Autorinnen und Autoren betonen außerdem die Empfindungsfähigkeit für Harmonien, Melodien und Rhythmen sowie die Fähigkeit, Sinn und Bedeutung in der Musik zu erfassen und sich durch Musik auszudrücken (vgl. z.B. Sloboda 1993; Blacking 1990).

Musik bei KOMPIK

Im Rahmen von KOMPIK werden musikalische Kompetenzen in Anlehnung an Gembris (2005) verstanden als die individuelle Kapazität des Kindes, Musik emotional und geistig zu erleben und sie – mit der eigenen Stimme oder einem Instrument – zu (re)produzieren, zu komponieren und zu improvisieren. Es werden zwei Teilbereiche betrachtet:

  • Musikalische Interessen: Im Teilbereich Musikalische Interessen geht es um Interesse an bzw. Engagiertheit bei musikalischen Aktivitäten. Dies bezieht sich sowohl auf die Rezeption von Musik (z.B.: Hört das Kind gern Musik?) als auch auf aktives musikalisches Handeln (z.B.: Hat ein Kind Freude am gemeinsamen Musizieren? Beschäftigt es sich gern mit Instrumenten?).
  • Musikalische Kompetenzen: Die Beobachtungsfragen im Teilbereich Musikalische Kompetenzen beziehen sich vor allem auf den aktiven Umgang des Kindes mit Musik, also auf die Fähigkeit, Musik selber zu produzieren, und auf rezeptive Fähigkeiten wie etwa das Unterscheidungsvermögen für Lautstärken und Tonhöhen.
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Ansprechpartner

Literatur

Bastian, H.-G. (2001). Kinder optimal fördern – mit Musik. Mainz: Schott Musik international.

Beck-Neckermann, J. (2002). Handbuch der Musikalischen Früherziehung. Theorie und Praxis für die Arbeit in der Kindertageseinrichtung. Freiburg: Herder.

Blacking, J. (1990). How Musical is Men? Washington: University of Washington Press.

Gembris, H. (2005). Musikalische Begabung. In: S. Helms, R. Schneider & R. Weber (Hrsg.). Lexikon der Musikpädagogik. Kassel: Bosse. 31-33.

Gembris, H. (2009). Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. 3. Auflage. Augsburg: Wissner.

Gruhn, W. (2003). Kinder brauchen Musik. Musikalität bei kleinen Kindern entfalten und fördern. Weinheim: Beltz.

Hermann-Strenge, A. (2004). Laute Flaute – Stiller Sturm. Praxisbausteine zum Hören und Hinhören für Kindergarten und Vorschule – Kinder für bewusstes Hören sensibilisieren. 2. Auflage. Dortmund: Verlag modernes Leben.

Hirler, S. (2003). Wahrnehmungsförderung durch Rhythmik und Musik. 2. überarbeitete Auflage. Freiburg: Herder.

Hirler, S. (2005). Rhythmik – Spiel und Lernen im Kindergarten. Bildung durch ganzheitliche Musikerziehung. Weinheim: Beltz.

Kreusch-Jacob, D. (2002). Musik macht klug – wie Kinder die Welt der Musik entdecken. München: Kösel.

Merkel, J. (2005). Gebildete Kindheit. Bremen: Edition lumere.

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (2006). Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten. Pilotphase. Weinheim: Beltz.

Olds, C. (1986). A sound start in life. Pre- and Peri-Natal Psychology, 1, 82–85. Perry, J. C. (1995). Music in early childhood education. In: B. Spodek (Hrsg.). Handbook of research on the education of young children. New York: MacMillan. 207-224.

Perry, J.C. (1995). Music in early childhood education. In: B. Spodek (Hrsg.) Handbook of research on the education of young children. New York: MacMillan. 207-224

Sloboda, J.A. (1993). Musical ability. In: G.R. Bock & K. Ackrill (Hrsg.). The origins and development of high ability. Chichester: Wiley, 106-118.

 
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