Bertelsmann Stiftung
KOMPIK: Kompetenzen und Interessen von Kindern

Die Entwicklung eines Beobachtungsverfahrens, das den oben genannten Kriterien genügt, ist ein aufwendiges Unternehmen. Die Ausarbeitung von KOMPIK dauerte mehr als zwei Jahre. In der ersten Phase wurde mit Piloteinrichtungen eine Erprobungsversion entwickelt. Diese wurde dann von maßgeblichen wissenschaftlichen Experten für die einzelnen Entwicklungsbereiche begutachtet.3 In der zweiten Phase wurde diese Fassung an den vier Modellstandorten Heilbronn, Jena, Ingolstadt und Fürstenfeldbruck erprobt: Mit der Erstversion des Bogens wurden 1 382 Kinder eingeschätzt (385 Fachkräfte, 104 Einrichtungen). Die Entwicklungsbereiche wurden dimensionsanalytisch untersucht. In der dritten Phase wurden drei Untersuchungen zur Qualitätssicherung durchgeführt: 

  • Pädagogische Fachkräfte schätzten dieselben Kinder zwei Mal im Abstand von zwei Wochen mit KOMPIK ein (Retest-Reliabilität).
  • Zwei Fachkräfte schätzten dieselben Kinder parallel mit KOMPIK ein (Interrater-Reliabilität bzw. Objektivität).
  • Kinder wurden durch Fachkräfte mit KOMPIK eingeschätzt und unabhängig davon mit dem allgemeinen Entwicklungstest ET 6-6 (Petermann, Stein und Macha, 2006) untersucht (Validität).

Die Studien ergaben, dass die Beobachtungen mit KOMPIK objektiv, genau und gültig sind.

Endfassung des Bogens

In der Endfassung umfasst KOMPIK 158 Beobachtungsfragen, die 11 Entwicklungs- bzw. Bildungsbereichen zugeordnet sind. Jeder Entwicklungsbereich gliedert sich auf nach „Teilbereichen“ (vgl. Tabelle 1). Tabelle 2 zeigt z.B. die Fragen für den Teilbereich 11.1 „Psychisches Wohlbefinden“. Bei manchen Bereichen wird nur nach Kompetenzen gefragt, weil interessenbezogene Fragen keinen Sinn machen (z.B. bei „Motivation“, „Emotionale Kompetenz“ oder „Wohlbefinden und soziale Beziehungen“), bei anderen Bereichen, z.B. „Motorik“, wurden zwar interessenbezogene Fragen einbezogen, sie konnten aber aufgrund der Auswertungsergebnisse in der Endfassung nicht berücksichtigt werden.

Fazit

Mit KOMPIK wurde ein neues strukturiertes Beobachtungsverfahren für pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen entwickelt. Das Verfahren nimmt inhaltlich Bezug auf die Bildungspläne für den Elementarbereich und erfasst insgesamt 11 Entwicklungsbereiche. KOMPIK wird allen interessierten Fachkräften und Trägern durch die Bertelsmann Stiftung kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Internet kann der Bogen (Papier- und EDV-Version) und umfangreiche Begleitmaterialien unkompliziert unter [EDV-Software oder Downloads] heruntergeladen werden.

Fußnoten

3. Wir danken Prof. H. Gembris, Prof. K.-O. Kahrmann, Prof. H. Kasten, Prof. J. Kienbaum, Dr. H. Krombholz, Prof. G. Lück, Prof. H. Schöler, Prof. M. v. Salisch, Prof. U. Ravens-Sieberer, Prof. A. Schmitt, Dr. M. Wertfein, D. Winterhalter-Salvatore, Prof. R. Zimmer für ihre Unterstützung.

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Ansprechpartner

Quelle und Autoren

Dieser Artikel unter dem Namen "Noch ein Beobachtungsbogen? KOMPIK – ein neues Verfahren für Kindertageseinrichtungen (1)" erschienen in KiTa aktuell BY 2011 Heft 10, S. 227-230.

Toni Mayr

Dipl.- Psychologe, München, war bis zu seinem Tode wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik, IFP

Martin Krause

Dipl.- Psychologe, München, Wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik, IFP

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