Bertelsmann Stiftung
KOMPIK: Kompetenzen und Interessen von Kindern

Die Vorstellungen, wie Entwicklung und Lernen von Kindern in Kitas erfasst und dokumentiert werden sollten, gehen allerdings weit auseinander:

  • Es gibt Unterschiede im methodischen Vorgehen – Zugang (a) über Tests bzw. testähnliche Verfahren (z.B. Schöler und Brunner, 2008), (b) über freie Beobachtungen (z.B. Andres, Laewen und Pesch, 2005), (c) über strukturierte Beobachtungen (z.B. Beller und Beller, 2010), (d) über die Sammlung von Produkten kindlicher Aktivität in Form von Portfolios (z.B. Fthenakis et al., 2009).
  • Die Verfahren haben unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte, z.B. Lerndispositionen (Leu et al., 2007), Kompetenzen (z.B. Bensel und Haug-Schnabel, 2005, 37 ff.) oder Interessen und Wohlbefinden (z.B. Laevers, 2003; Mayr und Ulich, 2003).
  • Manche Instrumente fokussieren auf einzelne Entwicklungsbereiche, etwa Sprache (z.B. Ulich und Mayr, 2003, 2006) oder sozialemotionale Entwicklung (Mayr und Ulich, 2006), andere versuchen, die ganze Breite kindlicher Entwicklung in den Blick zu nehmen (z.B. Petermann, Petermann und Koglin, 2006).
  • Die Verfahren verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen. Wesentlich ist hier vor allem die Unterscheidung (a) zwischen Verfahren zur Früherkennung von Störungen oder von „ungünstigen“ Entwicklungen (zur Übersicht: Mayr, 2010) und „entwicklungsbegleitenden“ Verfahren zur Dokumentation „normaler“ Entwicklung als Grundlage für die pädagogische Arbeit in der Einrichtung (vgl. hierzu genauer: Mayr, 2011).
  • Die Instrumente unterscheiden sich in ihrer wissenschaftlichen Begründung und Absicherung: Überwiegend werden in deutschen Kitas wohl immer noch „informelle“ Verfahren eingesetzt – ohne empirisch-wissenschaftliche Absicherung (Kliche, Wittenborn und Koch, 2009). Das Thema Beobachtungsverfahren ist aber auch Gegenstand grundsätzlicher wissenschaftlicher Kontroversen (z.B. Schäfer, 2004; Rossbach und Weinert, 2008).

Der Elementarbereich wurde von der Anforderung nach systematischer Entwicklungserfassung fast „überrollt“. Durch die Bildungspläne kamen Einrichtungen, Träger und Verbände, aber auch die Fachverlage in Zugzwang, möglichst rasch neue Beobachtungsverfahren aus dem Boden zu stampfen. Gut ausgearbeitete und erprobte Instrumente lagen kaum vor.

Für eine fachliche oder gar wissenschaftliche Reflexion und Diskussion der einzelnen Beobachtungsansätze blieb dabei wenig Zeit und Raum. In der Folge steht heute eine Vielfalt unterschiedlicher Beobachtungskonzepte mehr oder weniger unverbunden nebeneinander.

Was bislang fehlt, ist ein wissenschaftlich fundiertes „entwicklungsbegleitendes“ Verfahren, das einen zuverlässigen Überblick gibt über Entwicklung und Lernen von Kindern in verschiedenen Bereichen und einen klaren Bezug zu den Bildungsplänen für den Elementarbereich hat. Diese Lücke wird mit KOMPIK geschlossen.

„Je besser pädagogischer Angebote auf das Kompetenzniveau und auf die Interessen der Kinder abgestimmt sind, desto größer ist ihre Wirkung.“

Fußnoten

1. KECK (Abkürzung für „Kommunale Entwicklung – Chancen für Kinder“) ist ein Projekt der Bertelsmann Stiftung. KECK verbindet Daten zur sozialen Lage, Bildung und Gesundheit von Kindern bis vierzehn Jahre und stellt sie anschaulich und vergleichbar in einem Online-Atlas (s. KECK-Atlas) dar.

2. Die Literaturliste wird auf Wunsch von den Autoren zugesandt.

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Quelle und Autoren

Dieser Artikel unter dem Namen "Noch ein Beobachtungsbogen? KOMPIK – ein neues Verfahren für Kindertageseinrichtungen (1)" erschienen in KiTa aktuell BY 2011 Heft 10, S. 227-230.

Toni Mayr

Dipl.- Psychologe, München, war bis zu seinem Tode wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik, IFP

Martin Krause

Dipl.- Psychologe, München, Wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik, IFP

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