Bertelsmann Stiftung
KOMPIK: Kompetenzen und Interessen von Kindern

Ein gutes Beispiel hierfür ist der sog. „Atlas of Child Development“ in der kanadischen Provinz British Columbia (Kershaw, Irwin, Treffor & Hertzman 2005). In dieser Provinz werden flächendeckend Daten zum sozioökonomischen Status von Familien gesammelt und ausgewertet. Man begnügt sich allerdings nicht damit, die Bedingungen für Entwicklung und Bildung von Kindern zu erfassen, sondern erhebt zusätzlich – ebenfalls flächendeckend für die ganze Provinz – auch den Entwicklungsstand aller Kinder im Alter von fünf Jahren. Der Entwicklungsstand wird von Erziehern/innen mithilfe des sog. „Early Development Instrument“ (EDI) eingeschätzt.

Das EDI erfasst fünf breite Entwicklungsbereiche: „Physical Health and Well-being“, „Social Competence“, „Emotional Maturity“, Language and Cognitive Development“ und „Communication and General Knowledge“ (vgl. z.B. Janus & Offord 2007). Für jeden dieser fünf Bereiche werden zwei Kennwerte berechnet: (a) Die durchschnittliche Ausprägung aller Kinder einer Region in einem Entwicklungsbereich und (b) der Prozentsatz von Kindern, die in einem Entwicklungsbereich besonders verletzbar („vulnerable“) sind. Wichtig dabei: Das EDI wird ausschließlich für diese globale, flächendeckende Erfassung des Entwicklungsstandes eingesetzt und nicht individuell für ein einzelnes Kind ausgewertet. Die Erzieher/innen beobachten alle Fünfjährigen mit dem EDI und liefern dann diese Einschätzungen anonymisiert ab. Beobachtungen mit dem EDI können deshalb auch nicht für die pädagogische Arbeit verwendet werden.

Die Informationen über den sozialökonomischen Status und die Entwicklung der Kinder werden im nächsten Schritt bildhaft in Landkarten übertragen und in einem Atlas zusammengefasst. Dazu wird z.B. der Prozentsatz aller in einem Entwicklungsbereich vulnerablen Kinder in fünf Gruppen eingeteilt, denen dann im Atlas jeweils eine bestimmte Farbe zugeordnet wird. Abbildung 1 zeigt beispielhaft diese kartografische Umsetzung für vulnerable Kinder im Bereich „Physical Health and Well-being“. Je nach Anteil der Risikokinder sind hier die verschiedenen Schuldistrikte der Provinz unterschiedlich eingefärbt. Wenn ein Distrikt dunkelrot gefärbt ist, bedeutet dies, dass der Anteil an gefährdeten Kindern (im Bereich „Körperliche Gesundheit …“) über 14,2 Prozent liegt. So lassen sich die verschiedenen Schulbezirke der Provinz in Bezug auf die Entwicklung der Kinder direkt miteinander vergleichen. Diese Darstellungen können bis auf die Sozialraumebene heruntergebrochen werden und sind alle im Internet veröffentlicht.

Abb. 1: Physical Health and Well-being. (Quelle: Kershaw et al. 2005, S. 27.)

Solche Erhebungen schaffen zum einen Transparenz bezüglich der Entwicklungsbedingungen und des Entwicklungsstandes von Kindern in bestimmten Regionen, Kommunen oder Sozialräumen. Sie bilden zum anderen die Grundlage für konkrete Aktionspläne, um die Lebenslage von Kindern vor Ort, z.B. in einer Stadt oder in einem Sozialraum, zu verbessern (vgl. z.B. Kernshaw et al. 2005, S. 140 ff.; Schroeder et. al. 2009). Da die Erhebungen regelmäßig wiederholt werden, lässt sich dann auch überprüfen, ob sich die Entwicklung von Kindern in Folge der getroffenen Maßnahmen auch tatsächlich verbessert hat. Abbildung 2 zeigt eine entsprechende Auswertung für den EDI-Bereich „Sprache und kognitive Entwicklung“.

Abb. 2: Sprache und kognitive Entwicklung. (Quelle: Kershaw et al., 2005, S. 78.)

Weiter zu Das Projekt „KECK“
(Kommunale Entwicklung Chancen für Kinder)

Drucken Versenden

Ansprechpartner

Quelle und Autoren

Dieser Artikel unter dem Namen "KOMPIK auf Sozialraumebene (3)" erschienen in KiTa aktuell BY 2011 Heft 12, S. 284-287.

Toni Mayr

Dipl.- Psychologe, München, war bis zu seinem Tode wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik, IFP

Martin Krause

Dipl.- Psychologe, München, Wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik, IFP

Artikelübersicht

 
ifp
Staatsinstitut für Frühpädagogik in München (IFP)
itao GmbH & Co. KG
© 2019 Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP)